# Radio Irrtum! 2026/03 – Vierspurig in die Zukunft


Und Ihr habt KEINE AHNUNG, was jetzt schon wieder los geht…

**[Irrtum Intro]**

Das wird dann wohl stimmen und in der Tat: Herzlich Willkommen liebe Hörer:innen mein Name ist Herr Irrtum! und ich freue mich - hoffentlich so sehr wie ihr Euch auch - auf die kommende Stunde mit guter neuer undergroundiger Musik aus verschiedensten Genres von zumeist unbekannten Künstler:innen.

Wir fangen an mit einer ausgesprochen gelungenen Coverversion - hier ist ↓↓↓

**01. Asher White: Bushel Hyde  | Jessica Pratt [A]** 

↑↑↑ … und das ist schon ein bisschen humorvolles Trolling, was  Asher White da betreibt: Ihr Album heißt ja eben “Jessica Pratt” - und das ist nämlich die Original-Komponistin des eben gehörten Stücks - und nicht nur das: Das Album Cover sieht dem Cover des Debütalbums von Jessica Pratt vom November 2012 zum verwechseln ähnlich - genau der selbe Stil, genau das selbe Szenrio… nur das Gesicht ist nicht das von Jessica Pratt sondern das von Asher White. Entsprechend finden sich auf dem ganzen Album von Asher White, Coverversionen von Jessica Pratts Liedern - eben unter anderem von ihrem ersten Album, was auch Jessica Pratt heißt, so wie dieses neue Coveralbum von Asher White. Seid Ihr verwirrt? Ja, das soll wohl so sein. Aber: Mir gefällt die Instrumentierung und auch die Stimme von Asher White in vielen-, aber nicht allen Fällen besser - und wenn Ihr Jessica Pratt Fans sein solltet - dann wäre jetzt eine gute Gelegenheit, zu Asher White zu wechseln. Ist das gemein? Ja. Aber das Leben ist eben auch kein Ubahnhof, nicht war.

Und an diesem Punkt sind wir bereits mittendrin in…

[Tellerrand]

Und hier erwarten Euch noch in dieser Stunde…

  - Alternative Pop, aufgenommen in einer Kirche
  - Beatless Rap
  - excelellenter Bass
  - Agressive Bass
  - Chilli Electro
  - experimental Cellphone Music
  - Chanson Kaput
  - Alternative depressive Stimmungsschlagercover
  - Datschenpunk
  - 4-Spur-Kassettenzeugs
  - Experimentell dunkle Harfenmusik

Mehr passt in diese Stunde nicht mehr rein, aber trotzdem setze ich noch einen drauf: Modeselektor, die Herrn Bronsert und Szary aus Berlin, über die ich, glaube ich, nichts mehr weiter sagen muss… die haben vor kurzem einen Track rausgebracht, der heißt “This Track kills Fascism”; der läuft jetzt hier, bis das nächste Stück startet, im Hintergrund, denn… das MUSS einfach sein und deshalb hören wir wenigsten mal für ein paar Sekunden rein:

Modeselektor: This Track Kills Fascism | Classics Vol. 1 (We tried hard and failed again... enjoy!)

↑↑↑ Aber das ist eben kein Classic - das ist neu. Soweit zu dem, was bis jetzt im Hintergrund lief, aber später wird etwas anderes im Background laufen: Nämlich vermeintlich klassische Musik. Ist aber nicht wirklich "klassisch", sondern mutet lediglich so an - sie stammt vom US-amerikanischen Komponisten Stanley Grill. Der orientiert sich musikalisch an Schubert, Mozart und Bach, hat sich dafür mit tatsächlich hoch renommierten Instrumentalisten wie dem Violinisten Brett Deubner zusammen getan und heraus gekommen ist das Album “Chamber Music”, was wider erwarten nicht kitschig geraten sondern einfach nur… sanft und gut geworden ist.

Soviel zum Background-Geriesel, aber genug der vielen Worte, jetzt kommt Musik, die Live in der  St Pancras Old Church in London aufgenommen wurde  – hier kommt ↓↓↓ 


**02. Penfriend: Scared To Capsize (Live at St Pancras Old Church)  | Frankentour Double Exposure [A]** 

Der Applaus sei Ihr gegönnt, das war ↑↑↑ Das ist komplett ein Live Album, zum Teil ist es in dieser wirklich schönen alten Kirche aufgenommen, die sich in einem kleinen grünen Londoner Park befindet und zum anderen Teil im Strange Brew - das ist ein beliebter Club in Bristol. Das ganze übrigens als Support-Act von einer Künstlerin namens Thea Gilmore, die eher so eine Art Country-Folk macht - ich kenn mich da nicht so aus. Das Schöne an dieser kleinen Tour war wohl, dass Penfriend eigentlich erwartet hatte, dass sie vor einer Handvoll Leute spielt, und wenn sie fertig ist, kommen die Fans von Thea Gilmore alle rein, und dann gehts richtig los. Aber: Zu ihrer Überraschung kam sie auf die Bühne, der Saal war brechend voll, alle waren bemerkenswert leise und aufmerksam und sind dann voll mit ihrer Performance mitgegangen. Ihr habt das ja gerade auch gehört. Und das muss sich mit Sicherheit toll angefühlt haben.

Das Album gibt es übrigens NICHT auf [Spotify] aber dafür findet Ihr Penfriend auch im Fediverse, dem freien sozialen Netzwerk.

Jetzt gibts hier - und das wird nicht das einzige mal sein - einen abrupten Genrewechsel - hier sind… also hier sind jede Menge Leute - hier sind ↓↓↓

 

**03. Lungs + Cise Greeny ft. Phiik: HOMEFRIES | SPACEHEATER [A]** 

[Ear]

↑↑↑

Das scheint ein bisschen ein neuer Trend zu werden: Hip-Hop ohne Beats - und das finde ich, ist eine coole Entwicklung. Abgesehen von einem Stück hat dieses Album nämlich keinerlei Beats, dafür einen fast schon hörspielartigen Aufbau - was kein Wunder ist, sieht sich doch Lungs, auch bekannt als Lonesword aus Brooklyn als inspiriert von MF DOOM, der solche Sachen zu seinen Lebzeiten mit Vorliebe gemacht hat.  Dieser Lonesword oder eben Lungs ist dann auch der, der dieses Album maßgeblich voran getrieben hat. Sein Mitstreiter Cise Greeny prägt von Queens aus seit ca. 15 Jahren den NY Hiphop-Underground und zwar Tatsache im Sinne von “prägend” - das gilt für beide, auch für Lungs: Die etablieren gerade einen neuen NY Rap Sound. Und dann haben sie sich noch Phiik herangezogen zumindest für den Track, den wir gerade hörten - das ist ein alter Bekannter von Lungs - die sind zusammen auf Long Island aufgewachsen, die haben schon in den 10er Jahren einen staubig trockenen paradoxen digitalen Tape Sound in New York etabliert, so geht zumindest die Mähr, die unter anderem vom Pitchfork Magazin gestreut wird.

Und weil hier Underground auch ernst genommen wird: Ihr findet dieses Album NICHT auf [Spotify], nein.

Jetzt, wo uns die Beats so gefehlt haben, kommen endlich welche und zwar von zwei absoluten Legenden: Hier ist ↓↓↓



**04. Commodo ft. Alfa Mist:  Deep Harbour | Deep Harbour [E]** 

[BASS]
↑↑↑

Commodo, sicherlich der hierzulande etwas Unbekanntere von den beiden - das ist eine der aktuellen Schlüsselfiguren in der britischen Bass-Szene. Mir ist er schon vor Langem aufgefallen, weil er gern uncharakteristische Instrumentierungen wählt, etwa rauhe handgespielte Gitarren - und die dann absolut stilsicher in einen typischen britischen Bass-Context setzt, dem er sich allerdings mehr von einem Hip-Hop-Beats artigen Standpunkt nähert als den typischeren Drum-n-Bass,- oder neuerdings auch wieder DUB gespeisten Kontexten. Da passt es wunderbar, dass er sich jetzt Alfa Mist heranzieht, über den ich wahrscheinlich nicht mehr viel sagen muss - diesem Typen aus London, der es erfolgreich geschafft hat, Jazz-Improvisation mit HipHop zu vereinen und hierfür bereits mit ganz großen Jazzern wie dem Drummer Yussef Dayes zusammen gearbeitet hat.   
Diese EP, Deep Harbour ist m.E. eine der ganz großen Würfe in der Bass-Musik-Szene in diesem noch jungen Jahr - das gehörte Stück ist jetzt bereits verfügbar, aber die EP kommt erst am 27. März raus.

Aber noch jemand anders mischt die Bassszene mächtig gewaltig auf - nämlich… ↓↓↓

 

**05. Alix Perez: Rush Them                | Sabotage [A]** 

↑↑↑

Alix Perez, geboren in Belgien aber jetzt zwischen Neuseeland und London pendelnd, kommt eigentlich aus der Drum'n'bass Scene, aber ist schon seit längerem mehr im Bass-Gefilde aktiv und fällt da mit einem besonders harschem Sound auf - das war auch hier gerade deutlich zu hören. Wenn es dazu noch etwas dunkler werden soll, dann findet man ihn mit der Taschenlampe als eine Hälfte der im Bassbereich legendären Shades - dort dann zusammen mit Eprom. 

So! 

Und damit, Kinners sind wir schon bei der Hälfte dieser Sendung angelangt bei 

[Microfon]

  … und Euch erwarten noch:
  - Chilli Electro
  - experimental Cellphone Music
  - Chanson Kaput
  - Alternative depressive Stimmungsschlagercover
  - Datschenpunk
  - 4-Spur-Kassettenzeugs
  - Experimentell dunkle Harfenmusik

Wird im Schnitt dann auch deutlich handgemachter - versprochen - aber nicht gleich, jetzt kommt erstmal ↓↓↓

**06. Sonic Walker: Chilling At Eight (808 Mix) | Corrupt Binary [A]** 

↑↑↑

Das ist ein Album, was vornehmlich neue Mixe von bereits bekannten Stücken enthält - das hier - “Chilling at Eight” etwa - gab es im Original bereits im Oktober 2025 auf seiner “Analogue Rebellion”-EP.  Aber wer ist Sonic Walker? Sonic Walker ist eine Legende der Net-Label-Scene der 2000er, mit seinem eigenen Label, das hieß auch “Sonic Walker”.  Er hat dann für ein paar Jahre Pause gemacht und ist jetzt wieder sehr aktiv dabei. Allerdings findet Ihr sein Album Corrupt Binary NICHT auf [Spotify]. 

Man kann sein Home-Studio voll mit teuren Gear packen, man kann Unsummen von Geld in virtuelle Effekt- und Synthie-Plugins stecken, oder man macht es wie n33jack und musiziert, gleich dem Mann mit dem Taschenrechner in der Hand, einfach mit dem Handy drauf los. Raus gekommen ist dabei dieser Track hier: Klitch. 

**07. n3wjack: Klitch                      | KLITCH [A] [CC]** 

↑↑↑ Ne schöne rhythmische Studie finde ich, komplett und ausschließlich mit der Software Polaris auf nem Android Handy entstanden. Man ist damit relativ eingeschränkt: 6 Spuren, ein paar Effekte dazu - das wars. Aber, n3wjack, den Ihr übrigens auch im Fediverse findet, schreibt mir dazu, dass es gerade diese Limitierungen sind, die so reizvoll sind, die regelrecht Spaß machen - wenn er der Frage nachgeht: Was kann ich mit diesen wenigen Resourcen eigentlich anfangen. 

Das ganze ist frei erhältlich und lizenziert unter [Creative Commons] und verblüffend - Ihr findet es nicht auf [Spotify] .

Aber genug mit dem ganzen elektronischen Gefrickel - das sagt jedenfalls ein Hörer der hier beim Sender Alex Berlin extra angerufen hat und sich etwas GANZ anderes gewünscht hat. Aber das sagt er am besten selbst. 

 [Dieter]

**08. Brezel Göring: Ich hab den Joker     | Arbeitslos in Berlin [E]** 

Brezel Göring ist zurück, der hat offenbar den Joker, und das kommt von der EP “Arbeitslos in Berlin”. Brezel kennen wir alle (denke ich) von Stereo Total und der ist nach wie vor mit Inbrunst dabei, die Tiefen des Lofi und den Reiz des Nicht Perfekten auf charmanteste Art und Weise auszuloten. 

[jingle]

Während das Lied von Brezel Göring gerade ausgesprochen stimmungshebend war, ist das nächte das ganze Gegenteil und dennoch sehr witzig finde ich: Wir hören…

 

**09. Disaster Plan: Schlechte Laune on 45 | Schlechte Laune on 45 [E]** 

Ja, da wird jetzt gerade Gottfried Wendehals im Grab rotieren, aber das hilft alles nichts: ↑↑↑ war das… und diese EP findet Ihr übrigens NICHT auf [Spotify] - da seht Ihr mal, wie überbewertet dieser Service ist. Nichts gibz da!!  
Und das ist eigentlich ein Stück, was in einer Theateraufführung gespielt wird - nämlich im Schauspielhaus Hamburg, wo das legendäre “Studio Braun” das Bühnenstück »Ein Sommer in Niendorf« aufführt. Und Studio Braun, das sind  Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger - letzteren kennt man ja auch von seiner mehrfachen Zusammenarbeit mit dem dicken Erobique - ich sag nur “Wann strahlst Du” - zu meiner Zeit das Lieblingslied gefühlt aller Weiber auf Dating Plattformen… Aber ich weiche ab - denn das gehörte Lied hat mit all den Studio Braun Koryphäen gar nichts zu tun. Disaster Plan ist vielmehr Michel M. Spormann, und der wird begleitet von einem Trupp mit Kontrabass, Klavier und Hammond-Orgel… aber keiner von denen gehört zum Studio Braun.  

Genausowenig wie die Leute um den werten Geigerzähler aus dem Berliner Raum - hier sind… 

**10. Korni, El Es Dias, Geigerzähler:  Ich will das nicht! | Grüsse aus der Datscha 2 [A] [CC]** 

↑↑↑ 

Nicht nur steht dieses komplette Album unter der Creative Commons Lizenz [Creative Commons] - das heißt, es darf frei weiter gegeben werden, Ihr findet es auch nicht auf [Spotify] - denn Spotify ist das Gegenteil von frei. Da machen Korni, El Es Dias und eben der Geigerzähler nicht mit, die -wollen das nicht-, und treffen sich lieber auf einer Datsche am Rande Berlins und nehmen da zusammen bei einer nicht unerklecklichen Menge von Getränken, mitunter auch alkoholischer Natur,  Musik auf einer einfachen 8-Spurmaschine auf - z.T. unter Berücksichtigung von Texten des großartigen Dichters Erich Mühsam, der übrigens auf übelste Weise von den Nazis umgebracht wurde - einfach, weil ihnen seine geschriebenen Worte nicht passten.   
— Ja ich verstehe auch nicht, warum selbst von Nicht-Linken immerzu so eine Stimmung gegen rechtes Gedankengut gemacht wird, ist mir völlig schleierhaft. 

Nun gut - zurück nochmal zur gehörten Aufnahme. Ich sag mal so: 8 Spur-Bandmaschinen sind überbewertet - die folgenden Typen habe auf 4 Spur-Kassette aufgenommen - hier sind ↓↓↓: 

 

**11. Jacques Grêle et les Fausses Fuites (ft.Vivi Kendrick): Steffy | Too Small [A] [CC]**

**Schagg Grell ällü Fuss Fied ft. Vivi Kendrick**

↑↑↑ Ein richtig gut gewordenes Album, ungemein abwechslungsreich. Mit so Alternative Folk, aber auch richtig Punk, viel französischsprachiges Zeugs zudem und dabei immer sehr einfach instrumentalisiert und trotzdem sehr tiefgängig - bei durchgehend verrauschter Qualität. Also alles andere als Too Small. Das Album bzw. die Kassette ist 2018 schon raus gekommen, aber Jetzt, JETZT gibt es das alles remastered als Vinyl. Und darf trotzdem frei weiter gegegeben werden, wegen der Lizenz, nämlich [Creative Commons] und es ist dabei trotzdem nicht auf [Spotify]. 

Und damit sind wir bereits am Ende von 

**[OMG]**

**  
**Jaja- Mein Name ist Herr Irrtum! und Ihr findet mich, die Playlist und das Manuskript zu dieser Sendung im freien Netzwerk Fediverse unter…

@herr_irrtum@s.basspistol.org

Wir haben aber noch einen Track  und der kommt allen Ernstes von einer Youtube-Influencerin. Und böse Menschen sagen ja, Youtube-Influencer:innen haben kein Recht, dermaßen umwerfend kreativ zu sein, wie die experimentelle Harfenistin Emily Hopkins. Die junge Frau, die mit einer seltsamen Mischung sehr erfolgreich auf Youtube unterwegs ist. Einerseits in der Nintendo-Retrogaming Scene andererseits mit ihrer Harfe, die sie mit Vorliebe mit ganzen Ketten von Effektgeräten verbindet und den Klang dann dermaßen zu verfremden versteht, dass man als Hörer nicht mehr sagen kann, dass das eigentlich Harfenmusik ist. Damit verabschiede ich mich also von Euch, mit ↓↓↓ , das ist btw.  wieder nicht auf [Sportify], aber dafür könnt Ihr es notfalls kostenlos unter einer “Bestimme selbst den Preis”-Agenda auf Bandcamp beziehen.  UNd damit Ahoi, bis vielleicht in einem Monat,

Euer Herr Irrtum!

**12. Emily Hopkins: 1B     | the experiment [A]**
